Würde man eine Umfrage zum Thema Patientenverfügung durchführen, so würde vermutlich 95 % aller Befragten etwas dazu einfallen. Wenn es dann allerdings um das eigene Selbstbestimmungsrecht geht, also die Frage, ob die Person selbst auch schon eine Patientenverfügung formuliert hat, wäre deutlich mehr Zurückhaltung spürbar. Die meisten würden wahrscheinlich antworten „Aber das ist doch alles so kompliziert. Wie formulier ich das überhaupt?“.

Richtig - Kaum jemand mag sich die Frage stellen, was passieren soll, wenn er schwer krank wird oder einen Unfall erleidet. Zumindest weisen junge Leute solche „Was wäre wenn?"-Fragen oft weit von sich und befassen sich kaum etwa mit dem Thema Patientenverfügung. Ein Fehler, wie Experten meinen. Denn auch junge Menschen können in Situationen geraten, in denen sie nicht mehr für sich selbst sprechen können und in denen eine Patientenverfügung helfen könnte.

Tipps und Muster finden Sie hier:

Warum sollte man eine Patientenverfügung verfassen?

Mit einer Patientenverfügung sorgt man für den Fall vor, dass man krank wird und dann nicht mehr in der Lage ist, selbst zu bestimmen, wie man etwa medizinisch behandelt werden will. Damit die Ärzte und auch die eigene Familie die Wünsche umsetzen können, sollte man sie detailliert aufschreiben und dabei verschiedene Szenarien durchspielen. Es empfiehlt sich, für jedes Szenario genaue Anordnungen zu treffen. Die Anordnungen kann man wie auch die Patientenverfügung insgesamt jederzeit widerrufen. Das ist auch mündlich möglich.

Ärzte und die eigene Familie sind an die Wünsche gebunden, die man in einer Patientenverfügung festgelegt hat. Allerdings gibt es hierbei rechtliche Grenzen. Zum Beispiel dürfen Mediziner dem Wunsch nach aktiver Sterbehilfe nicht nachkommen, denn sie ist in Deutschland verboten.

Wer Textbausteine und kostenlose Vorlagen für eine Patientenverfügung sucht, wird zum Beispiel auf der Webseite des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz fündig.

Doch beachten Sie, dass diese Muster auch Risiken bergen. Patientenverfügungen, die zu schwammig formuliert sind, sind unbrauchbar. Darum empfiehlt es sich in jedem Fall, sich beraten zu lassen und das ausgefüllte Muster von einem Experten, wie etwa einem Fachanwalt für Erbrecht, überprüfen zu lassen. Ungenaue Sätze wie bspw. „Ich möchte nicht an Schläuchen hängen“ bergen für die behandelnden Ärzte und Angehörigen enorme Schwierigkeiten.

Drei Fliegen mit einer Klappe – Es empfiehlt sich, neben einer Patientenverfügung auch eine Betreuungsverfügung und eine Vorsorgevollmacht auszustellen.

Die Vorsorgevollmacht legt fest, welche vertraute Person in gesundheitlichen Fragen für einen entscheiden darf. Der Personenkreis ist dabei nicht auf Familienangehörige beschränkt. Auch Freundinnen und Freunde können bevollmächtigt werden. Es besteht die Möglichkeit, Patientenverfügungen bei der Bundesnotarkammer zu hinterlegen. Natürlich können Sie die Verfügung auch selbst aufbewahren, doch vergessen Sie nicht, Ihrer jeweiligen Vertrauensperson den Ort mitzuteilen. Zum Thema Betreuung und Betreuungsverfügung finden Sie hier weitere Informationen.

Noch Fragen? Wir beraten Sie gerne.

Quelle ; zuletzt aufgerufen am 19.02.2015