Der Erblasser hat ein Testament errichtet und denkt, alle Probleme hätten sich damit erledigt. Dies ist leider ein Trugschluss. Auch bei vorhandenem Testament kann es zu Streit zwischen den Erben kommen. Um sicherzugehen, dass dem letzten Willen des Erblassers entsprochen wird, gibt es die Möglichkeit, einen Testamentsvollstrecker zu bestellen. Besonders sinnvoll ist ein Testamentsvollstrecker, wenn die Regelungen im Testament umfassend und kompliziert sind.

Nach Ansicht von Rechtsanwalt Matthias Rösler vom Deutschen Forum für Erbrecht (DFE) in München gibt es viele Konstellationen, in denen sich ein solches Vorgehen anbietet: «Ein Testamentsvollstrecker hat die Verantwortung für die Nachlassabwicklung. Die Hauptziele des Erblassers - gerechte Vermögensverteilung, Schutz des Nachlassvermögens, Streitvermeidung und Steuerersparnis - können dadurch oft besser verwirklicht werden.»

Aber auch wenn kein Streit befürchtet wird, kann ein Testamentsvollstrecker eine gute Entscheidung sein. «Eine Nachlassabwicklung ist rechtlich oft kompliziert. Da ist es sinnvoll, einen kompetenten Testamentsvollstrecker einzusetzen, der die Erben wirksam entlastet», sagt Rösler.

 

Knifflig kann die Nachlassverwaltung werden, wenn einer der Erben überschuldet ist und in einer Privatinsolvenz steckt. Grundsätzlich würde dann das geerbte Vermögen direkt an den Vermögensverwalter fließen. «Mit einer richtig angeordneten Testamentsvollstreckung kann man das verhindern», erklärt Eberhard Rott, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung (AGT) in Bonn.

Grundsätzlich kann jeder Erwachsene zum Testamentsvollstrecker bestellt werden. «Man braucht generell überhaupt keine juristischen Vorkenntnisse», erklärt Rott. Gerade wenn es sich um komplizierte Fälle handelt, sollte man aber einen Fachmann mit dieser Aufgabe betrauen. «Als Testamentsvollstrecker sollte man eine Vertrauensperson einsetzen, die sich in der rechtlichen Materie gut auskennt», rät Rösler. Auch ein wenig Erfahrung in geschäftlichen Dingen ist ratsam. Schließlich haftet auch ein Laie bei eventuellen Fehlern.

Die AGT und die Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV) in Angelbachtal vergeben Zertifikate an Experten, die sich regelmäßig auf dem Gebiet des Erbrechts weiterbilden. Beide Organisationen führen zudem Register mit zertifizierten Testamentsvollstreckern.

Neben der Qualifikation sei vor allem das persönliche Vertrauensverhältnis wichtig, sagt AGT-Vorsitzender Rott: «Wenn das Vertrauen nicht da ist, sollte man denjenigen nicht als Testamentsvollstrecker einsetzen.»

Die Ernennung des Testamentsvollstreckers ist recht einfach. Der Erblasser muss einfach in seinem Testament formlos verfügen, wer dieses Amt haben soll. «Ich empfehle, dass man die Person vorher fragt», sagt Eberhard Rott von der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung. So lasse sich verhindern, dass man jemanden auswählt, der diese Aufgabe gar nicht übernehmen will.

Gleichwohl ist es sinnvoll, auch gleich einen Ersatz-Testamentsvollstrecker zu benennen. Der kommt dann ins Spiel, wenn der eigentliche verstorben ist oder das Amt nicht annehmen kann oder will, wie Matthias Rösler erklärt: «Macht man das nicht, kann das Nachlassgericht einen Ersatzvollstrecker ernennen, der die persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse nicht kennt.»

Der Erblasser kann im Testament auch verfügen, welche Aufgaben der Testamentsvollstrecker haben soll, wie Seiler-Schupp erklärt: «Dazu kann beispielsweise auch gehören, dass er einen Betrag nur dann auszahlt, wenn der Erbe bestimmte Bedingungen wie den Abschluss einer Ausbildung erfüllt.»

Was gibt es bei der Testamentsvollstreckung sonst zu beachten? Fragen Sie uns und lassen Sie sich beraten!

Quelle: http://www.mainpost.de/specials/specialsdpa/trauer/art20882,6405484