Vielleicht haben es sogar die einen oder anderen von uns schon einmal angedroht bekommen: „…, sonst wirst du enterbt!“ 

Was so hart und leicht zugleich klingt, ist gar nicht so einfach zu realisieren.

 

Im deutschen Erbrecht gilt nämlich das sogenannte Pflichtteilsrecht. Das bedeutet, dass ein enterbter Angehöriger stets einen Pflichtteil, also einen Mindestanteil vom Erbe erhält. Die Höhe dieses Mindestanteils beträgt dabei die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. 

Um die abstrakte Berechnung zu veranschaulichen, hier ein Beispiel:

O verstirbt. Der Nachlass beträgt 1 Mio. Euro. Er hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder, A und B.

B hat schon seit vielen Jahrzehnten keinen Kontakt mehr zu O, sodass O im Testament festhält, nur seine Ehefrau und A sollen erben.

B kann dennoch einen sog. Pflichtteil geltend machen. Im Beispielsfall rund 125.000 Euro.

Etwas anderes gilt nur dann, wenn der Erblasser, hier O, in seinem Testament ebenfalls verfügt hat, er werde den Pflichtteil ganz entziehen. Unter welchen Voraussetzungen eine solche Pflichtteilsentziehung möglich ist, schreibt das Gesetz in § 2333 BGB vor. Eine Entziehung wäre in unserem Beispielsfall etwa dann möglich, wenn sich B wegen eines Verbrechens gegenüber den Eltern, Geschwistern oder einer ähnlich nahe stehenden Person strafbar gemacht hat.

Beachten Sie bitte auch die Beweislastregel: Derjenige, der die Entziehung des Pflichtteils geltend macht, muss beweisen, dass eine Voraussetzung zur Entziehung vorliegt. Geht es um eine Straftat, so muss die Tat mit Gerichtsurteil und Aktenzeichnen benannt werden.

Sie sehen: Ein „enterben“ wie es unser Sprachgebrauch kennt, gibt es im deutschen Erbrecht nicht.

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Quelle: n-tv.de  ; awi/dpa