Viele denken beim Erben und Vererben stets an ein Testament. Eine gute Alternative hierzu: Der Erbvertrag. So praktisch ein Erbvertrag auch sein kann, er birgt einige Risiken, die man aber leicht in den Griff bekommen kann.

 

Ein Erbvertrag bietet sich insbesondere dann an, wenn komplexe Familienverhältnisse bestehen (mehrere Kinder, Patchwork, etc.), großes Vermögen vorhanden ist oder aber, wenn der Erblasser eine bestimmte Gegenleistung dafür erwartet, dass ihn eine Person beerbt.

Aber von vorne – Was ist ein Erbvertrag?

Einfach ausgedrückt ist der Erbvertrag eine Kombination aus Testament und Vertrag. Eine bestimmte Person soll Erbe werden, aber nur unter gewissen Voraussetzungen, wie etwa der Erbringung einer Gegenleistung (z.B. Pflege bis zum Tod). Diese Voraussetzungen werden in dem Erbvertrag verbindlich festgelegt.

Wie unterscheidet sich der Erbvertrag vom Testament?

Es gibt hier drei wesentliche Unterschiede:

1. Ein Testament wird alleine verfasst. Eine Ausnahme hierzu stellt das Ehegattentestament dar, welches gemeinsam mit dem Ehepartner errichtet werden kann. Der Erbvertrag jedoch wird zwischen dem Erblasser und dem zukünftigen Erben geschlossen. Man kann also sagen: Das Testament ist in der Regel einseitig, der Erbvertrag dagegen zweiseitig.

2. Ein Testament kann jederzeit geändert werden. Dies hört sich zunächst komfortabel an, birgt aber auch das Risiko zu übereilten Entscheidungen.

3. Das Testament bedarf grundsätzlich keiner besonderen Form, es muss lediglich selbst und eigenhändig verfasst und als Testament erkennbar sein. Der Erbvertrag hingegen erfordert eine notarielle Beurkundung. Der notariell beurkundete Vertrag wird sodann im Testamentsregister der Bundesnotarkammer registriert und verwahrt. Dies hat den Vorteil, dass, anders z.B. bei Testamente, der Erbvertrag nach dem Tod des Erblassers gefunden wird und keine mühsame Suche erforderlich ist. Manche Testamente sind so gut versteckt, dass sie erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Ableben des Verfassers/der Verfasserin gefunden werden und dann kommt es häufig zum Streit.

Was ist zu beachten?

Entscheidend ist, dass aufgrund der Bindungswirkung des Erbvertrages, einzelne Vereinbarungen mit einem sogenannten Rücktrittvorbehalt vermerkt sein müssen. Dies betrifft vor allem Punkte, welche sich bis zum Tode des Erblassers noch ändern können, wie etwa die Familienverhältnisse (Wiederheirat etc.). Der Erbvertrag kann nicht einseitig gekündigt werden, sodass man ohne einen solchen Vorbehalt nicht mehr aus dem Vertrag rauskommt.

Sie denken jetzt „Oh, das mach ich dann lieber nicht“? – Keine Sorge, genau aus diesem Grunde ist auch die notarielle Beurkundung erforderlich, die die Parteien dazu bringen soll, sich noch einmal zu besinnen und vom Notar beraten zu lassen. Dem Notar obliegt außerdem die Verpflichtung, auf diese Besonderheiten hinzuweisen. Kommt es tatsächlich zum Rücktritt einer der Parteien, so muss auch der Rücktritt notariell beurkundet werden. Eine Alternative zum Rücktrittsvorbehalt stellt der sogenannte Änderungsvorbehalt dar. Das bedeutet, dass die Vertragsparteien ausdrücklich im Vertrag aufnehmen, dass mit gegenseitiger Zustimmung, der Inhalt des Vertrages geändert werden kann. Der Änderungsvorbehalt sollte vor allem auch den Fall erfassen, dass eine der Parteien vorab verstirbt o.ä.

Unser Fazit:

Lassen Sie sich von den Formalitäten eines Erbvertrages nicht abschrecken! Das Erfordernis einer notariellen Beurkundung hat den Vorteil, dass sich die betroffenen Personen intensiver Gedanken über den Inhalt des Vertrages machen als dies häufig beim Aufsetzen oder Ändern eines Testaments der Fall ist. Zudem werden Sie notariell beraten, was eine nachträgliche Überprüfung entbehrlich macht. Ein Erbvertrag ist nicht nur nützlich, sondern unter Umständen sogar äußerst ratsam, wenn Sie über großes Vermögen verfügen, eine Erbengemeinschaft Ihrer Hinterbliebenen vermeiden oder aber schlicht geregelte Verhältnisse und ggf. auch eine gewisse Gegenleistung für Ihr Erbe wollen.

Wie immer: Lassen Sie sich beraten und finden Sie heraus, welche Vorgehensweise am besten zu Ihnen passt!
Sie haben Fragen? Wir helfen Ihnen gerne weiter.

Quelle: n-tv.de; awi/dpa