Keine eigene Familie und wer erbt jetzt?

Mit dieser Frage müssen sich mehr Menschen auseinandersetzen, als man denkt. Gemeinnütziges Vererben kann da genau recht kommen.

Doch aufgepasst: Im Erbrecht ist alles möglich. Auch gemeinnützige Organisationen können biestig werden, was ein aktueller Fall in Bad Tölz zeigt.

Dort hinterließ jemand ein Erbe von insgesamt über 1.000.000 Euro. Das Testament war, auf den ersten Blick, eindeutig: 2/3 sollten an Unicef, 1/3 an den Bruder gehen.

Es kommt wie es kommen musste: Der Bruder, der erben sollte, stirbt. Es wird über eine Änderung des Testaments nachgedacht und doch nichts unternommen:

„… für ihn war damals klar, wenn der Georg nicht mehr lebt, bekommen seine Kinder das Erbe […], für uns war damit alles geregelt“. Wirklich?

Das Testament enthielt allerdings keine eindeutigen Regelungen für diesen Fall. Unicef möchte sich nämlich nicht mit 2/3 der Erbschaft begnügen und klagt vor dem Amtsgericht Ansinnen. Nachdem die Richterin die Klage abwies und den Kindern des verstorbenen Bruders als neue Erben Recht gab, legte Unicef zudem noch Beschwerde ein. Die Familie des Verstorbenen ist entsetzt: „Meinen Onkel würde das ganz furchtbar aufregen, wenn er das mitbekommen würde“ ist nur einer von vielen Sätzen. Wenn Unicef weiterhin gierig ist, muss der Streit gegebenenfalls vor dem Oberlandesgericht München ausgetragen werden. Ärgerlich ist und bleibt: Der Erblasser wollte mit Sicherheit keinen Streit.

Fazit: Gemeinnützig Vererben ist sinnvoll, wenn keine eigenen Erben vorhanden sind. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Viele gemeinnützige Organisationen, auch die mit großen Namen, umwerben regelrecht „die alleinstehenden Reichen“, um sich ein Stück vom Kuchen (oder auch den ganzen Kuchen) zu ergattern. Gerade bei größeren Summen empfiehlt sich dringend eine umfassende Beratung, um sämtlichen Eventualitäten, wie z.B. das Vorversterben eines Erben, vorzubeugen.

Sie haben Fragen? Wir beraten Sie gerne.

Quelle: von Barbara Schmid; zuletzt aufgerufen am 07.07.2015