Die Ursache und den Zeitpunkt unseres Todes kennen wir nicht. Sicher ist nur, dass fast jeder von uns Gänsehaut bekommt, wenn wir darüber nachdenken, später möglicherweise künstlich am Leben erhalten zu werden, ob durch Magensonde oder sonstige „Schläuche im Körper“.

Trotzdem entspricht dieses Horrorszenario dem, was eintreffen wird, wenn wir nicht frühzeitig vorsorgen.

Eine rechtzeitig verfasste, fehlerfreie Patientenverfügung, kann diese Folge verhindern. Aber warum macht das kaum jemand? Weil uns (vermeintlich) aufwendige Tätigkeiten abschrecken. In unserem Beitrag Patientenverfügung - Selbstbestimmt rechtzeitig vorsorgen haben wir schon einige Tipps und Musterformulierungen erläutert.

Hier finden Sie weitere wichtige Hinweise rund um das Thema Patientenverfügung

Unterschied zwischen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Viele verwechseln die Patientenverfügung mit der sogenannten Vorsorgevollmacht. Gemeinsam haben die beiden Instrumente, dass sie dann eingreifen, bzw. eingreifen sollen, wenn jemand seinen Willen nicht mehr äußern kann (Koma, Unfall, etc.).

Durch die Vorsorgevollmacht wird eine Vertrauensperson ermächtigt, gewisse Angelegenheiten zu regeln, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Insbesondere Behördengänge oder andere wichtige Termine, zu denen man persönlich erscheinen muss, können durch den Vorsorgebevollmächtigten dann für einen erledigt werden. Die Vorsorgevollmacht schließt grundsätzlich einen gesetzlichen Betreuer aus. Umgekehrt bedeutet dies: Fehlt eine solche Vorsorgevollmacht, wird durch das Gericht ein gesetzlicher Betreuer bestellt. Mit einer Vorsorgevollmacht hat man also die Möglichkeit, einen nahen Angehörigen oder eine besondere Vertrauensperson, die man gut kennt und der man vertraut, mit seinen Aufgaben zu betrauen während ein gesetzlicher Betreuer eine meist vollkommen fremde Person ist.

Die Patientenverfügung knüpft zwar auch an die Ausgangssituation an, dass man seinen Willen nicht mehr selbst äußern kann. Allerdings regelt sie nur, welche medizinischen Behandlungen durchgeführt werden sollen. Damit empfiehlt es sich, neben einer Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfügung zu verfassen (vgl. Beitrag „Patientenverfügung-Selbstbestimmt rechtzeitig vorsorgen“).

Fehlt es an einer Patientenverfügung, so hat der gesetzliche Betreuer (oder im besten Fall, bei Vorliegen einer Vorsorgevollmacht, der Vorsorgebevollmächtigte) die Entscheidungen zu treffen und dem Arzt mitzuteilen. Da sich einem bei dem Gedanken, dass jemand anderes eine solch elementare Entscheidung für jemanden trifft, verständlicherweise die Nackenhaare hochstellen, ist die Bedeutung der Existenz einer eigenen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht nun einleuchtend.

Und was ist die Betreuungsverfügung? Auch der Begriff der Betreuungsverfügung wird häufig in Zusammenhang mit Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht genannt. Damit kann, in den meisten Fällen durch einen Einzeiler bestimmt werden, wen das Gericht zum Betreuer bestimmen soll. Nach dem oben Gesagten ist es wohl naheliegend, dass eine Betreuungsverfügung vor allem dann Sinn macht, wenn es keine Vorsorgevollmacht gibt. Auch empfiehlt sich eine Betreuungsverfügung dann, wenn die Vorsorgevollmacht nur auf die Vornahme bestimmter Tätigkeiten beschränkt ist und andere Bereiche gerade nicht in die Verantwortung dieser Person fallen sollen.

Zu guter Letzt: Wer auf Nummer Sicher gehen will, der sollte sich neben den Themen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung auch die Möglichkeit der Bestellung eines Kontrollbevollmächtigten ansehen. Weitere Informationen zum Kontrollbevollmächtigten finden Sie in unserem Beitrag ACHTUNG: Der Kontrollbevollmächtigte als Retter in der Not – Wieso er unerlässlich ist

So weit, so gut. Doch wie schreibe ich eine Patientenverfügung?

Es gilt: Keine Patientenverfügung ohne vorherige Beratung!

Auch, wenn verschiedene Behörden Muster und Textbausteine für Patientenverfügungen anbieten, die wir Ihnen auch in unserem Beitrag Patientenverfügung - Selbstbestimmt rechtzeitig vorsorgen dargestellt haben, ist eine vorherige Beratung unerlässlich. Ob Sie sich an einen Fachanwalt für Erbrecht oder einen Notar wenden, liegt in Ihrer Hand.

Ok, die Verfügungen sind verfasst. Was nun?

Wenn Sie eine anwaltliche oder notarielle Beratung im Vorfeld hinzugezogen haben, konnten Sie ggf. vereinbaren, dass die Verfügungen in der jeweiligen Kanzlei verbleiben. Anderenfalls, heben Sie die Dokumente an einem sicheren Platz zu Hause auf und sorgen Sie dafür, dass diese im Ernstfall auch von Ihren Angehörigen gefunden werden können. Eine Alternative dazu stellt das Zentrale Vorsorgeregister dar. Dort kann man die Verfügung (auch online) hinterlegen.

Ein Hinweis für die Angehörigen (oder den Arzt, z.B. durch Zettel im Portemonnaie), wo sich die Verfügungen befinden, ist überaus wichtig. Solange diese dem Arzt nämlich nicht vorliegen, werden in jedem Fall lebenserhaltende Maßnahmen eingeleitet und es kann wiederum zu dem oben geschilderten Horrorszenario kommen.

Nichts in Stein gemeißelt:

Keine Sorge, eine Patientenverfügung ist jederzeit änderbar. Das ist auch richtig so, wenn man bedenkt, dass sich die Vorstellungen über geeignete Behandlungsmaßnahmen im Laufe eines Lebens enorm ändern können. Zwar sind Änderungen auch mündlich, sozusagen noch auf dem OP-Tisch, möglich, der sichere Weg ist jedoch, die Änderungen schriftlich zu verfassen, sodass dem Willen in jedem Fall entsprochen werden kann.

Der Grund für eine unerlässliche Beratung vor dem Verfassen einer Patientenverfügung liegt darin, dass die meisten Verfügungen fehlerhaft sind. Eine Vielzahl von Fehlern entstehen durch zu unbestimmte Formulierungen. Sätze wie „Ich möchte nicht dahinvegetieren“, „Ich will nicht an Schläuchen hängen“ oder „Ich möchte in Würde sterben“, geben dem behandelnden Arzt keinerlei Hinweise darauf, welche Behandlungsmethoden noch gedeckt sind und welche nicht. Um im konkreten Fall Interpretationslücken zu schließen, kann es zudem hilfreich sein, wenn man in wenigen Sätzen ein paar Angaben über die eigene Person hinzufügt, d.h. Wert- und Lebensvorstellungen, die Einstellung zum Tod, religiöse Motive und Ansichten etc. Das Problem ist, ohne medizinische Fachkenntnisse lassen sich kaum hinreichend bestimmte Formulierungen treffen. Nicht nur juristische, sondern auch medizinische Beratung ist damit hilfreich. Doch haben Experten, wie etwa Fachanwälte für Erbrecht, in den meisten Fällen auch hinsichtlich der medizinisch relevanten Formulierungen vertiefte Kenntnisse und zudem jahrelange Erfahrung.

Und was, wenn die Angaben in der Patientenverfügung trotzdem zu ungenau sind?

Hier rückt dann der Vorsorgebevollmächtigte und die erhebliche Bedeutung einer Vorsorgevollmacht in den Fokus. Der Bevollmächtigte muss die Interpretationsschwierigkeiten ausräumen (auch unter Verständigung mit den nächsten Angehörigen) und die weiteren Maßnahmen mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Fazit

Die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Dokumenten Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung dürften deutlich geworden sein: Sie gehen Hand in Hand. Greift die eine Verfügung nicht, so springt dafür die nächste an anderer Stelle ein.

Auch die immense Bedeutung einer vorherigen Beratung aufgrund der, zum größten Teil, fehlerhaften Formulierungen dürfte deutlich geworden sein.

Unser Tipp: Fackeln Sie nicht lange. Machen Sie sich eine Checkliste und lassen Sie sich beraten.

Bei Fragen sind wir gerne für Sie da!

Quelle: n-tv.de; Artikel von Isabell Noé; zuletzt aufgerufen am 23.06.2015